Ina im Erzgebirge
Nachdem Ina biwalkin 5.0 leider verletzungsbedingt ausfallen lassen musste, wandert Sie nun ein paar Tage durchs Erzgebirge.
Italien war um diese Jahreszeit leider keine Option mehr, dort ist es mittlerweile zu heiß.
Gerne könnt Ihr auch bei dieser Wanderung den Verein Bürger für Bürger die Nachbarschaftshilfe Wolfratshausen e.V. mit einer Spende für jeden gelaufenen Kilometer unterstützen.
Ich werde hier täglich Ihren Reisebericht einstellen.
Erzgebirgskammweg
Ein Spaziergang im Wald
Etappe 0 Anreise Wolfratshausen nach Geising
Nach einer unruhigen Nacht in der ich ein paar Mal über meinen Reiseplan nachgedacht hatte (und die Frage ob es viele Wildschweine im Erzgebirge gibt), ging es um viertel vor acht los zur S-Bahn.
Kathi hätte mich gerne bis nach München gefahren, aber im Berufsverkehr und mit den vielen Baustellen auf der Strecke war die S-Bahn die bessere Wahl.
Abfahrt des ICE war neun Uhr neunzehn in München. Erster Umstieg in Erfurt, fünf Minuten Umsteigezeit am gleichen Bahnsteig klang machbar und da der nächste ICE auf uns wartete, waren die zehn Minuten Verspätung kein Problem. Weiter ging es nach Dresden und dann mit der S-Bahn nach Heidenau.
Die S-Bahn war verspätet, aber die nette Zugbegleiterin informierte den nächsten Zug und der wartete.
Nun ging es mit einer kleinen Regionalbahn, der Müglitztalbahn, tief in den Wald Richtung Kurort Altenberg.
In Geising musste ich aussteigen, dort ist der Startpunkt des Erzgebirgskammweg. Dieser führt über 285 km vom Erzgebirge ins Vogtland.
Einen Teil dieses Weges, von Geising bis Johanngeorgenstadt, werde ich in den nächsten sechs Tagen wandern.
Geising liegt in einer Senke umgeben von Wäldern und Hügeln und ist sehr nett.
Es gibt erstaunlich viele Geschäfte für einen Ort mit knapp über 1.000 Einwohner und natürlich durfte der Besuch in einem Laden mit erzgebirgischer Volkskunst nicht fehlen.
Dort stand ich in einer Weihnachtswelt: Pyramiden, Räuchermänner, Schwibbögen und tausende kleiner Figuren gab es zu kaufen.
Da ich ja mein Gepäck tragen muss hielt ich mich zurück und kaufte nur einen kleinen Anhänger als Glücksbringer für meine Wanderung.
Abendessen gab es im urigen Gastraum meiner Unterkunft (Ratskeller Geising) mit einem lustigen Wirt der einem Gast ein Geburtstagsständchen auf der Mundharmonika spielte.
Der selbstgebraute Aronia-Preiselbeer Likör aufs Haus beendete den Abend.
Das war ein guter Abschluss eines langen Reisetages.
Erzgebirgskammweg
Tag 1
Geising nach Holzhau
Start des Erzgebirgskammweg ist am Bahnhof Geising.
Dort kaufte ich mir beim Bäcker eine Brotzeit und startete in den Tag.
Es ging sofort steil bergan, durch blühende Wiesen den Geisingberg hinauf. Unterwegs kam ich bei der grünen Frau vorbei die, der Sage nach, seit hunderten von Jahren auf ihre Erlösung wartet. Ich konnte auch nichts für sie tun und ging weiter.
Bald war ich am Gipfel des Berges angekommen, dort gab es eine sogenannte Baude (so werden die Hütten hier genannt) und einen Aussichtsturm. Für eine Pause war es noch zu früh und so ging ich weiter nach Altenberg. Ein kleiner Ort mit Skibetrieb im Winter und einem kleinen Freizeitpark durch den ich kam um den nächsten Gipfel zu erklimmen.
Es ging langgezogen bergan durch eine Moorlandschaft mit Birken auf den Kahleberg.
Oben erwartete mich eine fantastische Aussicht über die bewaldeden Hügel.
Mit einer Fassbause von der örtlichen Baude und meiner Brotzeit stärkte ich mich und nachdem ich mich ins Gipfelbuch eingetragen hatte ging es weiter.
Der Weg führte hinab durch dichte Nadelwälder. Überall waren Hinweise auf Loipen. Im Winter ist hier bestimmt viel los.
Nun ging es immer entlang der tschechischen Grenze auf einem alten Bahndamm. Die Bahn wurde im 19ten Jahrhundert gebaut um Braunkole aus Tschechien zu transportieren. Ein alter Bahnhof erinnert an die Zeit.
Immer dichter wurde der Wald und nach ein paar Häusern begann der letzte Anstieg für heute auf die Steinkuppe. Nach den ganzen Höhenmetern war ich schon ziemlich müde und ging langsam den Weg durch den Wald nach oben.
Nach der Anstrengung brauchte ich dringen eine Stärkung und so kehrte ich in die Fischerbaude ein.
Kaffee und Kuchen schmeckten und so konnte ich die letzten Kilometer durch wunderschön blühende Wiesen, immer den Berg hinab nach Holzhau schnell abwandern. Meine Unterkunft ist der Erbgerichtsgasthof wo ich der einzige Gast bin.
Auch auf der Wanderung war ich die meiste Zeit alleine unterwegs.
Nur im Gasthof nebenan wo ich zu Abend gegessen habe, war eine große Reisegruppe.
Ich lasse mir die Roulade und das lokale Bier vom Rumpelbräu schmecken und gehe dann bald in meinen Gasthof zurück. Morgen wird ein langer Tag.
P.S.: Das Erzgebirge ist ein sehr altes Gebirge und die Berge sind für uns Oberbayern eher Hügel. Durch das dauernde auf und ab kommen allerdings einige Höhenmeter zusammen. Und ich glaube die Erzgebirgler sagen zurecht Berg und Gipfel.
Erzgebirgskammweg
Tag 2
Holzhau nach Olbernhau
Heute standen viele Kilometer und Höhenmeter an.
Ich machte mich daher nach einem kurzen Frühstück gleich auf den Weg. Das erste Ziel war Rechenberg wo das gleichnamige Bier herkommt. Es ging stetig bergan über einen Wiesenweg mit tollen Ausblicken auf das Muldetal.
Bald war Rechenberg erreicht und vorbei an der Brauerei und an schönen Fachwerkhäusern ging es bald wieder bergan über einen den nächsten schönen Wiesenweg und durch ein paar Wäldchen. Ab und zu kam ich an Häusern vorbei die alle sehr gepflegt aussahen. Die dunklen Wolken die mich schon seit beginn begleitet hatten verhießen nichts gutes und leider fing es an zu regnen. Der orangene Regenmantel war schnell angezogen und so ging ich weiter nach Claustal. Immer durch wunderschön blühende Wiesen und kleine Wäldchen. Die Ausblicke ins Land und auf die Hügel waren auch im Regen sehr schön.
Der Weg ist perfekt ausgeschildert und führt immer bergauf und bergab Richtung Neuhausen.
Nun ging es auf einem Wiesenweg Richtung Wald, da nicht gemäht war wurden meine Füße pitschnass. Es Regnete immerhin nicht mehr, ein kräftiger Wind vertrieb die Wolken und die Sonne kam heraus. So machte wandern auch mit nassen Füßen Spaß!
Es ging vorbei an einem einsam gelegenen Hotel in den Forst und auf einer breiten "Waldautobahn" dahin. Der Wald war riesig und eine reine Fichtenmonokultur. Ab und zu kam ich an kleinen Schutzhütten, fast wie Bushäuschen, vorbei. An einer machte ich Rast.
Nun ging es wieder durch Felder und Wiesen Richtung Neuhausen.
Im Ort gibt es ein schönes Schloss und das Nussknacker- Museum, aber ansonsten nicht viel.
Ich wollte meine Mittagspause machen und suchte vergeblich nach einer Einkehr. Die vorhandenen Gasthäuser und Cafes hatten zu oder waren aufgegeben worden. Selbst der Döner Imbiss war für immer geschlossen. Bei Edeka gab es immerhin einen Metzger und eine sehr gute Bratwurst in der Semmel.
Nun ging es steil bergan auf den Schwartenberg.
Am Himmel zogen dunkle Wolken auf, der Wind wurde stärker und ich zog mein Regenmantel wieder an.
So wanderte ich schneller über den Berg und bald ging es wieder bergab Richtung Seiffen.
Die Stadt ist berühmt für ihre vielen Geschäfte mit erzgebirgischer Volkskunst und den Schnitzern.
Auch im Sommer ist hier irgendwie Weihnachten.
Überall gibt es Räuchermännchen, Schwibbögen und Pyramiden zu sehen. Ich freute mich darauf im Advent wiederzukommen!
Jetzt stärkte ich mich mit einer Eierschecke und einem Kaffee für den Endspurt nach Olbernhau. Sogar die Sonne ließ sich wieder blicken!
Durch einen dichten Wald ging es erst bergan, dann bergab zur Straße und auf der anderen Talseite dann steil und auf einem schmalen Pfad, den Berg hinauf.
Ich kam langsam voran aber irgendwann war es geschafft.
Nun ging es vorbei an einer Quelle wieder ins Tal und dann natürlich wieder steil bergan. Langsam ging mir die Kraft aus, aber die Kilometer wurden nicht weniger. Irgendwann kamen die ersten Häuser von Olbernhau, meinem Tagesziel, in Sicht. Allerdings strecken sich die Orte hier oft das ganze Tal entlang und so waren es immer noch fünf Kilometer bis zum Ortszentrum.
Es ging gemäßigter bergauf und bergab und die Ausblicke über das Tal entschädigten für die Anstrengung. Bald war meine Unterkunft erreicht. Mein Abendessen holte ich aus dem Supermarkt, für eine Einkehr war ich zu Müde.
Nun heißt es ausruhen für morgen.
Erzgebirgskammweg
Tag 3
Olbernhau nach Künhaide
Los ging der dritte Wandertag mit einem Frühstück beim Bäcker.
Da ich wusste dass heute auf der Strecke nichts zum Einkehren kommt kaufte ich Proviant und machte mich dann auf den Weg.
Erst auf einen kleiner Rundgang durch Olbernhau und dann weiter zum Einkaufszentrum.
Ein Schnürsenkel in meinem Wanderschuh musste ersetzt werden. Da weder ich noch die Verkäuferin wusste dass Schnürsenkel immer paarweise verpackt sind habe ich nun genug für viele Wanderungen.
Nun konnte es losgehen.
Das erste Ziel kurz hinter Olbernhau war die Saigerhütte. Unesco Weltkulturerbe. Dort wurde Jahrhunderte lang Zinn und Silber verarbeitet. Heute ist es ein Freilichtmuseum. Ich schlenderte durch das Gelände, sah mir die vielen Gebäude von aussen an und nahm mir vor mit mehr Zeit wiederzukommen.
Der Weg führte nun durch einen schönen Buchen und Ahornwald steil die Talseite hoch zum Stößerfelsen. Ein Aussichtspunkt hoch über dem bewaldeten Tal.
Dort machte ich Brotzeit und ruhte mich aus. Der Tag gestern steckte mir noch in den Beinen.
Bald fing es an zu Regnen, ich zog meinen Regenmantel an und wanderte weiter durch den Wald.
Es waren wieder endlose Reihen Fichten und breite Forstwege zu durchqueren. Irgendwann bog der Weg ab und führte ins Tal hinunter zur Lochmühle. Außer ein paar Häusern gab es dort nichts und so wanderte ich weiter, wieder bergan Richtung Rübenau.
Der Weg führte aus dem Wald heraus und es gab eine schöne Aussicht auf die verstreuten Häuser und Hügel der Gegend.
Natürlich ging es wieder bergan über blühende Wiesen Richtung Wald.
Der Wind wehte mir den Regen ins Gesicht und ich war froh als ich wieder im schützenden Wald angekommen war. Am Lehmhaidner Teich legte ich in eine kleinen Hütte eine kurze Pause ein. Der Teich lag wunderschön mitten im Wald. Nun ging es durch hohes Gras und tiefen Matsch durch den Wald. Die Fahrzeuge hatten tiefe Spurrinnen hinterlassen. Statt Erzgebirgskammweg hieß es Erzgebirgsmatschweg.
Ich sah auch immer wieder frische Spuren von Wildschweinen am Weg und beeilte mich aus dem Wald herauszukommen. Nun ging es an einem Bach und über Hügel zum Grenzweg. Dieser führt direkt an der Tschechischen Grenze entlang. Links Tschechien und Rechts Deutschland. Bald kam ich an meiner heutigen Unterkunft, einem urigen Gasthaus im Schwarzwassertal an.
Die freundliche Wirtsfrau öffnete die Tür und sagte dass sie in der Gaststube extra eingeheizt hatte, dort brannte im Ofen schon ein Feuer. Nach der Wanderung im Regen war das genau richtig.
Zum Abendessen gab es Schnitzel und Bratkartoffeln und nette Gespräche mit der Wirtin und einem Stammgast. Sie erzählten dass der Erzgebirgskammweg sehr viel beworben wurde aber nur wenige Wanderer ihn gehen. Das konnte ich bestätigen.
Ich kannte die Werbeprospekte und dachte hier sind sehr viele Wanderer unterwegs. Im stillen dachte ich aber, dass die Ruhe und Einsamkeit auf dem Weg sehr schön sind und ich die Wanderung dadurch sehr genießen kann.
Erzgebirgskammweg
Tag 4
Künhaide nach Jöhstadt
Der Tag startete mit einem reichhaltigen Frühstück ganz gemütlich. Es regnete und so ließ ich mir Zeit um eine Regenlücke abzuwarten.
Die Wetterapp versprach Sonne und so zog ich hoffnungsvoll los.
Es ging durch das Schwarzwassertal an einem kleinen Kanal entlang immer durch das Moor. Der Weg schlängelte sich malerisch und trotz Regen war es sehr schön.
Bald ging es in den Wald und auf einem breiten Forstweg dahin. Der Regen wurde stärker und so machte ich eine längere Pause an einem überdachten Rastplatz. Wo war die versprochene Sonne?
Irgendwann ging ich wieder los weiter Richtung Reitzenhain. Dort waren ein paar Häuser in einem malerischen Tal mit einem kleinen Bach. Es gab ein Hinweisschild, dass es auch einen bömischen Ortsteil gab, der in den 50ziger Jahren abgerissen wurde. Ich wanderte immer noch dicht an der tschechischen Grenze entlang.
Nun schien auch endlich die Sonne und ich konnte meine Regenjacke wegpacken.
Weiter ging es zum Hirtstein. Einem alten Vulkan der vor Millionen von Jahren eine aussergewöhnliche Felsformation geschaffen hat.
Auf dem Zuweg zum Berg überlegte ich, daß ich vor dem steilen Anstieg etwas Essen musste. Es war bereits früher Nachmittag und ich hatte Hunger. Ohne Energie würde ich den Berg nicht bezwingen können.
Ich ging ein Stück durch ein Wäldchen bergan und als ich auf die Strasse zum Berg kam sah ich, daß ich schon fast oben war. Anscheinend hatte ich mittlerweile eine gute Wanderkondotion bekommen.
Ich sah mir die wie Fächer geformten Felsen an und genoß die Aussich in das Umland.
Die nächste schöne Überraschung war die Hirtsteinbaude, ein uriger Gasthof in den ich einkehrte und Wildgulasch mit böhmischen Knödeln aß. Zum Nachtisch gab es noch einen Apfelstrudel.
Bevor ich von dem üppigen Essen müde wurde, machte ich mich wieder auf den Weg.
Es ging auf einem wunderschönen Wiesenweg, vorbei an uralten Buchen leicht bergab. Ein paar Feldhasen kamen mir auf dem Weg entgegen und sprangen schnell in den Wald als sie mich sahen. Die Wiesen um mich herum blühten und die Vögel zwitscherten.
Nun kam eine Abzweigung und ich ging auf einem alten Postweg Richtung Schmalzgrube.
Der Weg schlängelte sich durch den dichten Wald steil bergab.
In Schmalzgrube endet eine historische Dampfeisenbahn die in Jöhstadt losfährt. Das getute der Bahn hatte ich schon eine ganze Weile gehört nun sah ich sie, als ich weiter bergan Richtung Jöhstadt wanderte.
Es ging wieder stetig bergan und ich kam durch das örtliche Skigebiet.
Steil ging es an der Piste nach oben. Ich schnaufte sehr, meine Wanderkondition war wohl wieder weg.
In Jöhstadt, ein Dorf mit ca. 2.500 Einwohner, suchte ich eine Weile meine heutige Unterkunft.
Eine ältere Dame konnte helfen und bald hatte ich mein Zimmer in dem Haus bezogen.
Ich wohne in einer ehemaligen Bäckerei.
Im alten Haus war es kälter als draussen und ich bin gespannt ob meine Wäsche bis morgen trocknet.
Heizung gibt es leider keine.
Morgen ist schon der vorletzte Wandertag, dann geht es zum Fichtelberg.
Erzgebirgskammweg
Tag 5
Jöhstadt nach Oberwiesental
Nach einer kalten und unruhigen Nacht startete ich früh los.
Ein Stück kalte Pizza und Schokolade war mein ausgewogenes Frühstück, gab mir aber Energie und ich ging flott los.
Die Sonne schien und ein kräftiger und kalter Wind blies mir ins Gesicht.
Bald war ich wieder im Wald und ging bergab Richtung Brettmühle.
Der Weg führte am sogenannten "Zicheinerfels´n" vorbei, einem markanten Felsen mitten im Wald.
Weiter ging es durch dichten Nadelwald in dem im Mittelalter Pech aus dem Harz der Bäume hergestellt wurde, nach Brettmühle.
Von dort ging es nun nach Kühberg und Richtung Bärenstein Berg.
Heute am Sonntag traf ich immer mal ein paar Wanderer und Mountainbiker die freundlich grüßten.
Immer wieder war der Weg sehr steil und ich kam nur langsam voran.
Am Fuße des Bärenstein Berges hatte man einen guten Blick auf den gleichnamigen Ort. Direkt anschließend auf tschechischer Seite lag der Ort Weipert.
Nun ging es durch Felder Richtung Berg als plötzlich ein Sturm und Starkregen einsetzte. Bevor ich meinen Regenmantel anziehen konnte war ich schon durchnässt.
Schnell ging ich in den Wald und kaum hatte ich ihn erreicht hatte der Wind den Regen vertrieben. Allerdings blieb das Wetter den ganzen Tag unberechenbar. Ich musste noch ein paar Mal den Regenmantel schnell anziehen. Dafür schien aber auch oft die Sonne und ließ den Wald besonders schön aussehen.
Ein schmaler Pfad führte auf den Berg, auf dem ein kleines Gipfelkreuz stand.
Man hatte einen schönen Blick auf die Cranzahl Talsperre und das Umland. In der Ferne war der Fichtelberg zu sehen und davor endloser Wald. Den würde ich heute noch durchqueren, ein Meer aus endlos vielen Bäumen.
Bevor ich den Berg hinter mir ließ gab es noch Kaffee und Kuchen im Bärensteinhaus.
So gestärkt ging es weiter an der Talsperre Cranzahl vorbei Richtung Toscabank.
Eine urige Bank auf einem Felsen. Hier machte ich Pause aß die restliche Pizza und genoss den Blick ins Tal.
Als es wieder zu Regnen anfing ging ich weiter nach Kretscham-Rotensehma im Sehmatal.
Hier kommt die historisch Dampfeisenbahn durch, die von Cranzahl nach Oberwiesental fährt. Ich hörte seit einiger Zeit das Tuten, sah die Bahn allerdings nicht.
Ich war nun vor dem 5km langen Anstieg nach Oberwiesental.
Leider zerbrach jetzt mein Wanderstecken und ließ sich nicht reparieren.
Also musste der Anstieg mit einem Stecken gemeistert werden.
Es ging durch Fichten und Lärchenwälder stetig bergan. Die Wege waren gut zu gehen aber teilweise sehr steil.
Ich kam an uralten Bergbau Relikten vorbei und auf den Rastbänken waren die Höhenmeter angegeben. Der Höchste Punkt war bei 996 Meter über NN.
Ganz hoch auf den Fichtelberg ging es erst morgen.
Bald war die Unterkunft erreicht. Ein gemütliches neues Hotel komplett aus Holz gebaut.
Ich wurde freundlich empfangen und mir wurde das ganze Hotel gezeigt.
Das Hotel ist im Sommer auf Mountainbiker und im Winter auf Skifahrer eingestellt. Es gab sogar ein Trockenraum mit Schuhtrockner. Morgen kann ich endlich mal wieder in trockenen Schuhen wandern!
Im Restaurant aß ich gut zu Abend und nun steht nur noch das WM Spiel auf dem Programm.
Erzgebirgskammweg
Tag 6
Oberwiesental nach Johanngeorgenstadt
Nach einem ausführlichen und sehr guten Frühstück startete ich in den letzten Wandertag.
Vom Hotel bekam ich noch eine Brotzeit mit da es unterwegs nichts zum Einkehren gab.
Erstmal waren einige Höhenmeter zu bewältigen, es ging hoch auf den Fichtelberg.
Der Weg führte erst über eine breite Forststraße bergan und bog dann auf die Skipiste ab, wo es steil und durch nasse Wiesen nach oben ging.
Oben empfing mich eine schöne Aussicht und ein eiskalter Wind. Ich machte ein paar Fotos und sah mich kurz ein wenig um. Bald war ich so durchgefroren dass ich entschied weiterzugehen.
Nun ging es die sogenannte Wellenschaukel Piste hinab zur Skiarena. Ein Biathlon Stadion in dem im Winter Wettkämpfe stattfinden.
Bald bog der Weg ab und führte weiter bergab durch mal mehr mal weniger dichten Wald Richtung Tellerhäuser. Ein lustiger Name, ich Fragte mich ob es auch Gabelstadt gab.
Oberhalb des kleinen Ortes machte ich Rast und traf dort auf zwei Kammwanderer.
Dann ging es weiter bergab, immer an einem rauschenden Bach entlang. Der Rucksack schob mich den Berg hinab und ich kam gut voran.
Am Anton-Günter Denkmal kurz vor Rittersgrün machte ich erneut Pause. (Anton Günter ist ein berühmter erzgebirgischer Volksdichter und Sänger) In der Rasthütte saßen bereits zwei weitere Kammwanderer.
So viele andere Wanderer wie heute hatte ich den ganzen Weg vorher nicht getroffen!
Bei Rittergrün waren Holzarbeiten und der Erzgebirgskammweg hatte eine Umleitung nach Tschechien.
Ich überquerte die Grenze und folgte dem Wanderweg bis ich an einer alten Mühle wieder auf den ursprünglichen Weg kam. Hier standen ein paar Häuser und unter einer alten Tanne war in einem Erdloch eine Tür. Ob das ein Zugang zu einem alten Stollen war?
Nun kam der letzte Anstieg der Tour. Es ging durch den Wald steil zur Himmelswiese.
Immer knapp an der Grenze entlang und oben war noch die Schranke vom ehemaligen Grenzübergang zu sehen.
An der Himmelswiese, einer wunderschönen Lichtung, machte ich Pause.
Die Vögel zwitscherten und die Bäume rauschten im Wind. Es war sehr entspannend.
Nun war Endspurt angesagt. Vorbei an einem Waldteich ging es bergab nach Johanngeorgenstadt.
Meine Navigation sagte "noch 500 Meter" als ich plötzlich ein grunzen und Rascheln hörte und etwas schwarzes im Wald verschwand.
Ich hatte ein Wildschwein aufgeschreckt das am Weg nach Futter gesucht hatte. Erschrocken blieb ich stehen und lauschte ob noch mehr Schweine kamen. Es blieb ruhig, aber ich wanderte die Meter bis zu meiner Unterkunft nun sehr schnell.
Diese liegt genau am Waldrand und an dem Haus beendete ich den Kammweg.
162 km und 3.910 Höhenmeter war ich in den letzten 6 Tagen gewandert.
Der Weg geht noch weiter bis Blankenstein und die restlichen Etappen werde ich irgendwann auch noch gehen.
P.S.
Da ich eine Ferienwohnung habe muss ich mich selbst versorgen.
Vor dem Haus stand ein Mann und saugte sein Auto, ich fragte wie man am schnellsten zum Supermarkt kommt. Er meinte ich solle am besten nach Tschechien gehen, die Grenze verläuft direkt hinter dem Haus. Er zeigte den Hügel hinab, dort gibt es einen Supermarkt. Hinter dem Haus würde ein Trampelpfad führen über den man sehr schnell dort wäre. Dann sagte er noch ich solle meinen Ausweis mitnehmen da die Miliz kontrollieren würde und ich nicht im Dunkeln gehen sollte wegen der Schmuggler. Ich war verunsichert. War das ernst gemeint oder ein speziell erzgebirgischer Humor?
Etwas skeptisch machte ich mich auf den Weg. Es klappte aber alles und ich kam mit Abendessen wieder sicher in meinem Appartement an.